Product information "Da ist nirgends nichts gewesen außer hier - Das „rote Mössingen“ im Generalstreik gegen Hitler"
Das lange vergriffene Buch "Da ist nirgends nichts gewesen außer hier!" wurde zum 80. Jahrestag neu aufgelegt.
Die entschlossenen Hitlergegner aus Mössingen, einer Kleinstadt bei Tübingen, die damals 4.000 Einwohner hatte, waren dem Aufruf der KPD zum Generalstreik am 31. Januar 1933 gefolgt, um sich der faschistischen Diktatur entgegenzustemmen. Zunächst versammelten sich 100 Mössinger, kommunistische, sozialdemokratische und christliche Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie marschierten zur Trikotfabrik Merz. Der Fabrikbesitzer verlangte vom Bürgermeister, auswärtige Polizeieinheiten zur Niederschlagung des Aufstands einzusetzen; der weigerte sich jedoch. Der Demonstrationszug wuchs an, die Arbeiter und Arbeiterinnen der Textilfabrik Pausa stimmten ab und schlossen sich an. Auch aus den Nachbarorten kamen Arbeiter und Handwerker dazu.
Die Demonstranten riefen "Wer Hitler wählt, wählt den Krieg" und sangen die "Internationale". Der Arbeitersportler Jakob Textor brachte am Schornstein des Pausa-Werks eine rote Flagge an, die stundenlang über Mössingen wehte. Schließlich ließen die aufgebrachten Fabrikdirektoren heizen, bis der Schornstein glühte unddie Fahne Feuer fing.
Der Streik der Mössinger blieb isoliert. Am Nachmittag wurde er von der Polizei niedergeschlagen, 98 Menschen wurden vor Gericht gestellt, bei 92 lautete die Anklage "Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit schwerem Landfriedensbruch". Erst 1955 wurde der Streik durch ein Gerichtsurteil als "aus Überzeugung geleisteter Widerstand" rehabilitiert.
Autor:
Bernd Jürgen Warneken, Hermann Berner
Erschienen:
17. Juli 2012
Format:
Paperback
ISBN:
978-3-89376-140-1
Seitenzahl:
360 Seiten
Sprache:
Deutsch
Stichwort:
Antifaschismus
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Ein schwäbischer Schreiner verübt am 8. November 1939 einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler, doch der überlebt durch eine Verschiebung seines Terminplans. Georg Elser hat früh erkannt, dass Hitlers Politik zum Weltkrieg führen wird und hielt es für unerlässlich, diesen Krieg zu verhindern.
München, 8. November 1939: Alles war sorgfältig vorbereitet. In dreißig Nächten hatte Georg Elser im Pfeiler hinter dem Rednerpult eine Bombe installiert. Doch kurz bevor sie explodierte, hatte Hitler, früher als sonst, den Bürgerbräukeller verlassen. Zum gleichen Zeitpunkt war der Attentäter durch aberwitzige Umstände bereits verhaftet. Noch während Hitler seine Zuhörer gegen England aufstachelte, hatte Elser bei Konstanz versucht, unbemerkt in die Schweiz zu gelangen. In seiner Jackentasche fanden die Zöllner eine Postkarte des Bürgerbräukellers, die den „illegalen Grenzgänger" später zum Verdächtigen machte. Er wurde an die Gestapo nach München ausgeliefert und dort nach schweren Folterungen zu einem Geständnis gezwungen. Am 9. April 1945 wurde der schwäbische Widerstandskämpfer im KZ Dachau ermordet. Bis dahin suchte die Gestapo in endlosen Verhören nach den „Hintermännern". Hitler und Himmler wollten nicht glauben, dass Elser allein gehandelt hatte; es musste Drahtzieher geben. Es gab sie aber nicht – ein Umstand, der später auch die Historiker verwirrte: Ein Handwerker, der keiner politischen Gruppe angehörte, ein Einzelner, der früh erkannte, dass der Kriegstreiber Hitler nur mit Gewalt gestoppt werden kann, passte in keine ideologische Schublade.
Leseprobe:
Eine seiner Stärken, die glaubwürdig gespielte Harmlosigkeit, paarte sich mit sicherer Bewegung in gefährlichem Gelände. Bevor Elser irgendwo begann, wollte er sich zuerst gut auskennen. Er übereilte nichts. Vorher hatte er meistens keinen Plan, sondern wartete, bis sich eine Gelegenheit ergab. Das war der Grundsatz eines Pragmatikers. So arbeitete er zuerst monatelang bei den Schmauders am Haus- und Möbelbau mit. Damit gewann er Nähe, Lokalkenntnis und Wohlwollen. Als die Hausleute eines Tages weg waren, konnte er an seine ersten Sprengversuche gehen.Als es zu stark krachte und die Decke herunterbröckelte, sagte er voller Unschuld, die Gipser hätten halt schlecht gearbeitet. Elser, der sonst nie viel redete, konnte blitzschnell einen Schwank entwickeln, wie bei Berta Schmauder in Schnaitheim: Er erfinde eine Schaufensterreklame und könne damit 2,5 Millionen Mark verdienen. Mit der 'Erfindung' vertuschte er im Königsbronner Obstgarten die Explosionsschläge, die selbst schwere Ackerpferde fast in die Flucht schlugen.Wie Elser im Bürgerbräukeller die Lage erkundigte, ist ein Meisterstück der Volksschauspielerei. Ein Schwabe, des bayerischen Dialekts nicht mächtig, fragt sich bei der Bedienung mit einem rührenden Interesse am Führer durch. Als er zu Hause erkennt, dass er nur mit einer Sprengung der Saaldecke Hitler ins Grab bringen kann, fährt er nochmals nach München. Er packt das Problem wie ein Handwerker an, nimmt die Maße des Pfeilers mit einem Meterstab auf und trägt die Ergebnisse in ein Handwerkerbüchlein ein. Diese Maße hat er noch über ein Jahr danach exakt im Kopf.Elser war eine in sich ruhende, gefestigte Person, mitten in einem Regime, das Mitläufer brauchte. Für seine Hoffnung benötigte er keine öffentliche Inszenierung, keine Propaganda, keine Kampagne, kein Theater irgendeiner Art und schon gar nicht den Segen der Obrigkeit. Darin war er seiner Zeit und deren Menschentypus weit voraus.'Die seit 1933 in der Arbeiterschaft von mir beobachtete Unzufriedenheit und der von mir seit Herbst 1938 vermutete unvermeidliche Krieg beschäftigten stets meine Gedankengänge. Ich stellte allein Betrachtungen an, wie man die Verhältnisse der Arbeiterschaft bessern und einen Krieg vermeiden könnte. Die von mir angestellten Betrachtungen zeitigten das Ergebnis, dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten.'Georg Elser, nach dem Verhörprotokoll der Gestapo Berlin
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Hellmut G. Haasis, geboren 1942 in Mühlacker, studierte Theologie, Geschichte, Soziologie und Politik. Nach dem theologischen Examen politischer Publizist, Verleger und Rundfunkautor. Veröffentlichungen u.a.: 'Spuren der Besiegten' (1984), 'Gebt der Freiheit Flügel' (1988), 'Edelweißpiraten' (1996), 'Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß' (1998). Thaddäus-Troll-Preis, Schubart-Preis, Civis-Preis.
Wie kam Willi Dickhut dazu, Kommunist zu werden? Besonders für die Jugend ist der Lebensweg von Willi Dickhut ein Vorbild. Die 20er und frühen 30er Jahre waren eine turbulente Zeit der Arbeiterbewegung. Als die herrschende Klasse ihre Macht nicht mehr mit dem Mittel der bürgerlichen Demokratie aufrechterhalten konnte, griff sie zum Mittel der faschistischen Diktatur. Die Arbeiterbewegung wurde zerschlagen – durch den brutalsten Terror, den die Menschheit jemals erlebt hat. Die Revolutionäre wurden in die tiefste Illegalität gezwungen. Die faschistische Diktatur wurde militärisch vernichtet. Doch unter dem Mantel der „Erziehung zur Demokratie“ üben die westlichen Besatzungsmächte eine verschleierte Diktatur aus, um ungehindert den kalten Krieg vorbereiten zu können. Die deutschen Reaktionäre werden an diesem Plan beteiligt. Die Speerspitze richtet sich gegen die Sowjetunion. Vor diesem historischen Hintergrund schildert der Verfasser auch seine persönlichen Erlebnisse um Kampferfahrungen als Funktionär der Arbeiterbewegung: Die Vergangenheit wird lebendig.